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Zurück auf die Autobahn

Dont know me.

Ruhig war es geworden um mich, soziale Abgrenzung oder einfach nur mal wieder was mit richtigen Menschen machen. Mal nicht so ganz 100% Prozent Nerd sein. Facebook, Twitter, Blog einfach mal ein wenig ruhiger treten Kräfte sammeln. Hunderte Feeds jeden Tag lesen, dazu noch tausende an Tweets und Statusupdates. Nichts mehr mitbekommen und doch nichts verpassen. Vielleicht einfach mal das richtige Leben spüren. Mal an nem Sonntag rumliegen und nichts machen, die Freundin kraulen und einfach nur offline glücklich sein während sie alle paar Minuten ihr iPhone in der Hand hat und gucken muss ob sie was verpasst hat. Mir war es kurzfristig mal wieder zuviel geworden. So viele Dinge im Kopf und einfach keine Zeit irgendwas mit euch zu teilen nun bin ich wieder aufgeladen. Mein iPhone klingelt und bimmelt im Takt meines Herzens. Wieder voll auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke des Web 2.0 Menschen unterwegs. Hab ich in meiner nicht aktiv im Netz Zeit irgendwas verpasst ? Ich glaube nicht. Das Leben geht auch ohne. Warum bin ich also wieder hier ? Ich weiß es auch nicht vielleicht brauche ich das selbstdarstellerische wieder in meinem Leben oder der Kaffee zeigt endlich wieder Wirkung bei mir. Vielleicht ist aber auch nur schlechtes Wetter und ich habe kein Bier hier.

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Begegnung am Rande.

Feierabend – endlich. Auch wenn ich nur einen Bürojob habe, bin ich geschafft als hätte ich den ganzen Tag auf dem Bau gearbeitet. Aber nichts desto trotz mag ich meinen Beruf. Design & Typografie, das kann ich, darin bin ich gut, darin gehe ich auf. Aber wenn wir ehrlich sind, ist der Großteil meiner Arbeit für die Tonne. Ich helfe kaum jemandem damit, wenn ich tolle Häuser hübsch im Layout arrangiere. Ich zeige neureichen Proleten wo ihre gottverdammten Probleme sind. Nämlich, dass sie völlig am Trend vorbei Leben, wenn sie nicht den neusten Ceranherd in ihrer Küche haben, den sie eh kaum nutzen weil sie sich viel lieber in piekfeinen Restaurants bekochen lassen. Oder unmöglich Parties schmeißen können, wenn sie nicht ihre Wohnräume in diesen und jenen Farben gestalten. Alles was dem angesagten Trend nicht entspricht ist nicht tragbar, ja gar eine Zumutung. Um nicht zu sagen eine große Blamage, über die die gehobene Gesellschaft die Nase rümpfen und den Gastgeber als geschmacklos einstufen kann.

Ja, es ist wieder einer dieser Tage, an dem ich acht Stunden lang schöne Bilder von noch schöneren Häusern und Wohnmöglichkeiten gestalte, womit man dann bei seinen Freunden und Bekannten angeben und sich für ein klein bisschen besser halten kann, sofern man denn die nötigen Summen für die Einrichtung auf dem Bankkonto hat. Aber, der Tag ist ja geschafft, und sobald ich aus dem Büro raus bin, versuche ich abzuschalten. Auf dem Bahnsteig angekommen, rolle ich allerdings erst einmal die Augen: Die Anzeigetafel präsentiert mir eine Verspätung von 30 Minuten. Ich bin genervt wie alle anderen am Gleis, denn genau wie sie habe auch ich nur noch das Ziel, schnellstmöglich nach Hause zu kommen und und die letzten Stunden des Tages so gut wie es geht zu genießen.

Und so warte ich geduldig mit Musik auf den Ohren als ich einen älteren Herren mit einem Bündel Obdachlosenzeitungen am Bahnsteig entlang gehen sehe. Er fragt die Wartenden nach einer kleinen Spende und bietet ein Exemplar der Zeitung an. Die Reaktionen sind meist alle gleich. Sobald er gesichtet wird, gehen die Blicke in alle Richtungen: auf den Boden, auf’s Handy, in den Himmel oder es muss schnell in der Tasche gekramt werden, damit man beschäftigt aussieht und nicht angesprochen wird. Die Rücken werden ihm zukehrt sobald er näher kommt und er wird ein ums andere Mal mit verächtlichen, meist aber keines Blickes gewürdigt. Wenn ich mir ihn so ansehe, recht dürr, mit schütterem Haar aber einem Lächeln im Gesicht, obwohl er ignoriert und abgewiesen wird, frage ich mich, was er wohl heute alles erlebt hat, während ich Layouts mit Traumhäusern zusammen geschustert habe.

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Abschalten.

05:53 Uhr. Der Wecker klingelt. Sich in einen akzeptablen Wachheitsstatus bis 6:15 Uhr snoozen. Aufstehen, anziehen, Frühstücken, für den Tag fertig machen. Zwischendurch den Rechner anschmeißen, die neusten Meldungen einholen, Tweets checken, FB Nachrichten beantworten, Neuigkeiten der Freunde verfolgen, E-Mails checken.

7:55 Uhr. Das Haus mit Musik auf den Ohren verlassend die Reise zur Arbeitsstätte antreten. Zwischendrin immer wieder der Blick auf’s iPhone. Tweets checken, FB Status updaten, den Tagesablauf der Freunde durchscrollen.

8:50 Uhr. Ankunft auf der Arbeit. Den ganzen Tag bastel ich Zeitschriftenlayouts zusammen, und immer wieder schweift mein Blick aus dem Fenster auf das Nebengebäude. Ob dort jemand sitzt, dem es ähnlich geht? Ach eigentlich auch egal, schnell einen Tweet in die Welt schicken und gefühlte 80 Rückmeldungen erhalten, von im Grunde wildfremden Menschen, die jetzt auch lieber woanders wären. 

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Radiohead vs 11/9


In “Eine zu 85% wahre Geschichte” beschreibt Chuck Klosterman seine Reise quer durch die USA, um über Orte zu schreiben an denen Rockstars ums Leben gekommen sind. Für eine Musikliebhaberin wie mich eine faszinierende Sache. Ohne Zweifel ein toll geschriebenes Buch über Musik und Liebe, aber nicht so kitschig öde und vorhersehbar, wie man es aus so vielen Publikationen bereits kennt. Aber worauf ich eigentlich hinauswill ist folgendes:

Mr. Klosterman schreibt häufig, welche Musik ihn in verschiedenen Lebenslagen begleitet hat und kommt unter anderem zu dem Schluss, dass Radioheads Album “Kid A” im Grunde der Soundtrack des 11. September 2001 ist, auch wenn das Album knapp ein Jahr vorher veröffentlicht wurde. Eine äußerst gewagte Aussage, aber dennoch nachzuvollziehen, wenn man die Platte kennt und die Zeilen dazu kennt, die Klosterman da reininterpretiert. Damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, hier die Passage dazu:

“(…) Wie besessen habe ich das Album ein ganzes Jahr lang gespielt. Jetzt bin ich mir sicher, dass Kid A der offizielle Soundtrack des 11. September 2001 ist, obwohl das Album am 3. Oktober 2000 herauskam.
Der erste Song von Kid A beschreibt die Skyline von Manhatten an einem Dienstagmorgen 8:00 Uhr, der Titel des Songs lautet “Everything Is In The Right Place”. Die Leute wachen am Morgen auf, “sucking on a lemon”, weil sich in der U-Bahn von Manhatten das Leben normalerweise so anfühlt; die Stadt ist ein wunderschöner, saurer, sarkastischer Ort. Und schon kommt Song Nr. 2, der Titelsong. Er bringt die Musik der wirbelnden, flüchtigen Normalität. (…) Man stellt sich vor, wie die Leute zu Fuß zur Arbeit gehen, wie sie im Fahrstuhl stehen, wie sie aus dem C-Train und dem 3-Train steigen und sich eine Zukunft ausmalen, die genauso ist wie die Gegenwart, nur besser. (…) Aber nach dreieinhalb Minuten von Kid A passiert etwas. Irgendwas stimmt nicht mehr, und man weiß nicht recht, was. Dann folgt Track drei, “The National Anthem”. Das ist der Zeitpunkt, als das erste Flugzeug mit 470 Meilen in den Nordturm rast.

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Verschwommen #3

Berlin, dass ist sie also – diese Stadt mit viel Geschichte, arschkalten Wintern und glühend heißen Sommertagen bei denen die Mülltonnen anfangen zu brennen und sich Seen aus Arschwasser in den Einkaufsmeilen bilden.

*Filmriss, eine andere Spule wird aufgezogen*

Der erste Gedanke der mir in den Kopf schoss bei meiner Ankunft in Berlin: “Verdammt, wie beschissen kann eine Stadt eigentlich aussehen?!” Berlin ist auf den ersten Blick noch immer nicht so hässlich wie Wuppertal, Dortmund und Köln aber schön ist auch was anderes wenn man mitten in Tegel landet und von dort in die City muss – ist aber auch gerade egal. Ich hatte dies nicht nur gedacht sondern auch direkt ausgesprochen. Fuck! Dies hier ist Fledermausland. Die Rentnerin neben mir an der Bushalte beäugte mich, machte einen unerklärlichen Gesichtsausdruck und raunzte mich daraufhin direkt an: “Jungchen, dit is doch net Berlin! Dit is dat Viertel von de janze Parteibonzen” – “Achso” antworte ich und stellte fest das wir mittlerweile am Hauptbahnhof angekommen waren und ich das Regierungsbunkerviertel sah. Renter… überall gleich, in Bayern und Berlin, immer die gleiche Scheiße mit denen. Keine Zähne mehr in der Fresse, weil sie morgens vergessen haben ihr schlechtsitzendes Kassengebiss reinzuschieben. Grundsätzlich auf Konfrontation mit der Jugend aus, denn Früher da war eh ja alles besser so mit Führer und so. Meiner Meinung nach sollte es freiwillge Arbeitslager für Renter geben, denn die haben eh zuviel Zeit. Früher war wirklich alles besser, da wurden die Dinge mit Kriegen geregelt, die Leute wurden nicht so alt, da Sie meistens schon vorher in einem schwachsinnigen Krieg fielen oder in ihren Häusern zerbombt wurden von den Amis – also fast so wie heute. Mit Adolf hätte es keine Überalterung der Gesellschaft gegeben, der hätte dafür gesorgt.

Was ist heute ? Die ehemalige Kriegsjugend führt heute noch immer Kriege, doch nicht gegen Kommunisten, Amis oder die Russen. Der Krieg ist täglich vor unserer Haustüre. Der bevorzugte Kampfzone für Blitzkriege des Renters sind die Arztpraxen, Baumärkte und jegliche andere Punkte bei denen man 100% auf Konfrontation mit der arbeitenden Bevölkerung aus sein kann.

Die Achse des Bösen befand sich niemals im Irak, Iran oder Afghanistan sondern zwischen Kaugummidisplay und Zigaretten in deinem Supermarkt des Vertrauens. Bevorzugte Angriffs Zeiten des Rentners Militaris sind kurz vor Ladenschluss, Montagsmorgens in der Sprechstunde des Arztes um sieben Uhr morgens oder an jeglichen Tagen vor einem Feiertag.


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Kill the Clown

Eine Kurze Anmerkung, dieser Text ist schon älter und wurde von mir in einer sehr bösen und traurigen Phase geschrieben und spiegelt die heutige Situation in keinster Weise wieder. Ich wollte ihn einfach nur noch mal veröffentlichen sogesehen als eine Art “Best of” Text.

 

Photo by Oj44

Anscheinend haben dir die ruhigen Momente nie gereicht. Du brauchtest die „Action”.
Was hast du nun davon?
Hass, Ängste und unvorstellbare Konsequenzen. Dein Leben war dir zu langweilig, du wolltest „das Leben” erleben.

Hast mit jeder Moral abgeschlossen, es sollte etwas anderes sein.

Und nun? Jetzt stehst du an deinem persönlichen Abgrund und hast nicht mal mehr den Mut zu springen. Vielleicht lag es einfach an den Medien, du musstest zu deiner Stadt passen. Bigbadcrimetown. BC ist dein momentaner Lifestyle, andere nennen es auch ein kaputtes Leben.