
Ryan Adams, “Love is hell”
Das große Liebespech hat mich wieder in seinen Fängen. Nach zaghaften Annäherungsversuchen mit dem ständig-immer-wieder-Verflossenen, kommt der werte Herr mal wieder zu dem Entschluss, dass wir nicht zu einander passen. Die “was-wieso-warum” Gründe, die ewig gleiche Leier: Der Reiz sei weg, es entwickle sich nichts neues mehr. Kurzum: der immer gleiche Tritt gegen das Herz.
Da stellt sich mir die Frage: Liegt es an mir? Bin ich im Grunde ein Langweiliger Nerd? Habe ich einfach zu hohe Erwartungen an die Männerwelt? Und was zeichnet eigentlich den perfekten Traumpartner in meinem Kopf aus? Die oberflächlichen Dinge kann ich schnell runterrasseln:
Größer als ich muss er sein. Manchmal ist mir mädchenhaft zumute, dann will ich meinen Kopf an eine männliche Schulter lehnen, ohne dabei in die Knie gehen zu müssen. Als Frau muss man außerdem ab und zu auf hohen Absätzen durch die Stadt stöckeln, als würde einem die ganze Welt gehören. Dann ist es gut, wenn der Mann an der Seite größer ist, sonst hängt das ganze Bild schief, trotz der scheissteuren Stiefel. Mindestens 6 cm grösser also, auf höheren Absätzen kann man eh nicht mehr elegant laufen, sogar Naomi Campbell ist da mal hingefallen, und die wird dafür bezahlt, die alte Schlampe.
Musik. Jemand, der die Musikfrage allen Ernstes mit ‘och so Charts und alles so querbeet’ beantwortet, dem muss ich leider mit ‘och Tschüss’ antworten. Von mir aus darf der sogar Black Sabbath oder ähnlich Böses hören, solange er das mit Liebe und Leidenschaft macht, und wenn es sich wirklich um die dunkle Musik handelt, halt lieber dann, wenn ich gerade nicht da bin. Natürlich wär es prima, wenn sich unsere Geschmäcke ähneln und er sich auch für Melodien und Textkombinationen begeistern kann und sich immer wieder in alte und neue Songs verliebt, so dass das Herz bei jedem Ton ein bisschen mehr bebt. Ich lasse mich aber auch immer wieder gerne auf neue Stile und Richtungen ein und sperre die Lauscher weit für neue Klänge auf. Es ist ganz klar, das Leben braucht einen Soundtrack und hier gestehe ich eine eigenartige Macke von mir: wenn der Soundtrack des vermeintlich potentiellen neuen Liebsten, aus Scooter, Bushido oder Jeannette Biedermann besteht, dann möchte ich in dem Film da nicht mal eine kleine Nebenrolle spielen.
Haarfarbe, Frisur oder auch keine, für mich völlig beutungslos. Überhaupt ist mir das Übliche fast schon besorgniserregend egal: Augenfarbe? Zwinkern kann man in jeder Farbe. Hände? Solange sie nicht zierlicher sind als meine und kein hässlicher Männerschmuck mich zwingt, schau ich da erstmal nicht drauf. Figur? Er soll halt nicht mehr wiegen als er groß ist und nicht schon beim gehen ins Schwitzen geraten und Atemnot bekommen. Er darf allerdings auch nicht schmaler sein als ich und sollte sich keinesfalls hinter mir verstecken können. Und aufgepasst liebe Männerwelt: bei Sixpack denke ich ausschließlich an Bier. Das war jetzt natürlich geflunkert. Obwohl Sixpacks, sofern denn nicht völlig übertrieben, an Männerkörpern schön anzusehen sind, ist dies keine Grundvorraussetzung um bei mir das Interesse zu wecken.
Kochen muss er nicht zwingend gut können, aber der soll genauso viel Spass am Drumrum haben wie ich und das geht eben nicht mit Dosenravioli. Ich lasse mich zwar auch gerne mal auf ein romantischen Abend bei Kerzenschein und Erbsensuppe ein, aber zum Standart sollte das nicht verkommen.
Ansonsten muss er nur die Sache mit dem den Kopfkaspereien verstehen. Nämlich das ohne Vorwarnung und ohne einen ersichtlichen Grund, mein Gehirn so schnell Schwachsinn produzieren kann, der dann ungefiltert aus meinem Mund kommt, und beim Zuhörer irreparablen Schäden anrichten kann.
Geld spielt bei mir keine große Rolle. Das ist natürlich glatt gelogen, Geld ist mir überhaupt nicht egal. Ich sitze gerne irgendwo, wo mir Brot, Wein und Spiele serviert werden. Wenn ich irgendwann mal meine eigene Wohnung betrete, möchte ich nicht nach 2 Schritten schon wieder vor einer Wand stehen. Ich kauf gern Geschenke, und ich flieg gern woanders hin und das alles kann ich dann hoffentlich auch bezahlen, ohne schlechtes Gewissen. Irgendwann in naher oder auch nicht ganz so naher Zuknunft, versteht sich. Jedoch immer für zwei bezahlen wäre schwierig, weil ich ja leider nicht tierisch reich bin. Deshalb muss er auch nicht reich sein, reich macht nämlich meist doof und einfallslos.
Einfallsreich sollte er nämlich schon sein, oder ich sag mal so neudeutsch: kreativ. Er soll einfach gern mit irgendwas spielen, ob jetzt Buchstaben, Musik oder Stift oder Lego, mir völlig egal. Wenn er dann auch noch Erfolg damit hat, dann find ich das doppelt klasse, solange er es mit voller Begeisterung tut und dabei nicht zum Arsch mutiert. Das schaffen die wenigsten, weil das eine ganz ganz schmale Gratwanderung ist.
To be continued.